Organisierte Kriminalität in Niedersachsen: Weniger Verfahren, höherer Schaden

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Die Ermittler in Niedersachsen haben 2025 weniger Verfahren wegen Organisierter Kriminalität geführt als im Jahr davor, der hochgerechnete Schaden hat sich aber mehr als verdoppelt. Das zeigt ein Vergleich des Lagebilds „Organisierte Kriminalität in Niedersachsen 2025“, das Innenministerin Daniela Behrens und Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann am Montag, 2. November 2026, vorgestellt haben, mit den Zahlen für 2024. Im Landkreis Hameln-Pyrmont war zuletzt nach einer Gewalttat im Hessisch Oldendorfer Ortsteil Weibeck ein möglicher Bezug zur Clankriminalität Gegenstand der Ermittlungen.

65 Verfahren statt 82

Die Polizei Niedersachsen führte 2025 nach Angaben der Ministerien 48 Verfahren. Dazu kamen elf vom Zoll, fünf von der Bundespolizei und eines vom Bundeskriminalamt, zusammen 65. Ein Jahr zuvor waren es 82. Die Zahl der Tatverdächtigen sank von 712 auf 635, sie stammen aus 41 Staaten statt aus 50. Deutsche stellen mit 36,38 Prozent weiter den größten Anteil, im Jahr davor waren es 45 Prozent.

Die meisten Verfahren drehten sich erneut um internationalen Rauschgifthandel und -schmuggel: 23, nach 36 im Vorjahr. Bei der Gesamtzahl der Verfahren liegt Niedersachsen laut Behrens weiterhin auf Platz 2 im Ländervergleich.

Rund 5 Millionen Euro abgeschöpft

Den Gesamtschaden beziffert das Lagebild hochgerechnet auf 48,85 Millionen Euro. Für 2024 standen dort 18,26 Millionen Euro. Das Niveau bis 2023 bleibt laut den Ministerien deutlich unterschritten. Den Ertrag der Täter schätzen die Behörden auf 27,72 Millionen Euro, nahezu konstant. Abgeschöpft wurden etwa 5 Millionen Euro, im Jahr zuvor etwa 7,5 Millionen Euro.

„Wer Verbrechen begeht, dem nehmen wir alles, was er daraus erlangt hat: auch die Rolex und das tiefergelegte Luxusauto“, sagte Wahlmann. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter in Niedersachsen setzt in seiner Stellungnahme zum Lagebild einen anderen Akzent: Besonders kritisch sehe der Verband, dass bislang nur ein Bruchteil der kriminell erlangten Vermögenswerte abgeschöpft werden konnte. „Rückläufige Fallzahlen dürfen nicht über die wachsenden Herausforderungen der Organisierten Kriminalität hinwegtäuschen“, schreibt der stellvertretende Landesvorsitzende Stefan Franz. Der Verband fordert unter anderem mehr Personal und moderne Technik für die Kriminalpolizei.

Acht Verfahren mit Clanbezug, Jugendliche für Gewalt angeworben

Acht Verfahren gegen 102 Tatverdächtige mit Clanbezügen führten die Behörden im Bereich der Organisierten Kriminalität, zu 62 Prozent ging es um Wirtschaftskriminalität. Bei Cybercrime blieb es wie im Vorjahr bei vier Verfahren. Viele geprüfte Cybercrime-Fälle erfüllen laut Lagebild nicht die Kriterien der Organisierten Kriminalität, weil es sich regelmäßig um projektbezogene Täterstrukturen ohne feste Gruppierungen handele.

Stärker in den Blick rücken die Behörden „Violence-as-a-Service“, also Gewalt als bestellte Dienstleistung: Dafür würden zumeist unerfahrene Jugendliche und junge Erwachsene im Internet für schwerste Gewalthandlungen angeworben. Zunehmend würden in Niedersachsen Straftaten bekannt, die Überschneidungen damit und mit der vom Bundeskriminalamt so bezeichneten „Türkischstämmigen Organisierten Kriminalität“ aufwiesen. Für 2025 ordnet die Statistik der Türkischstämmigen Organisierten Kriminalität noch kein Verfahren eindeutig zu.

Behrens fordert „rechtssichere und praxistaugliche Regelungen zur Speicherung von IP-Adressen“ und unterstützt Initiativen des Bundes zur automatisierten Datenanalyse und zum biometrischen Bildabgleich.

Großfamilien in Weibeck: Polizei prüfte Clanbezug

Das Lagebild bildet das Jahr 2025 ab. Am Sonntag, 30. August 2026, wurden bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien im Bereich Hessisch Oldendorf nach Angaben der Polizeidirektion Göttingen mehrere Menschen teils schwer verletzt. Die Direktion ordnete den Fall in ihrer Mitteilung vom Montag, 31. August, in eine Serie gewaltsamer Eskalationen in ihrem Zuständigkeitsbereich ein. Ob es dort einen Bezug zur Clankriminalität gibt, war laut dieser Mitteilung Gegenstand der Ermittlungen. Mehr dazu: Gewalttat in Weibeck: Polizeidirektion prüft Bezug zu Clankriminalität.

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