Die niedersächsischen Grünen haben Julia Willie Hamburg in der Rattenfängerhalle Hameln zu ihrer Spitzenkandidatin für die Landtagswahl gewählt. Nach Angaben des Landesverbands wählten die 212 Delegierten sie am Samstag, 7. November 2026, einstimmig. Der Landesparteitag in der Mühlenstraße 17 war für Samstag, 14 Uhr, angesetzt und soll am Sonntag, 8. November 2026, gegen 14 Uhr enden.
Hamburg: „Nie Politik machen, die nach unten tritt“
In ihrer Bewerbungsrede sprach Hamburg laut Mitteilung der Partei über ihren Antrieb, Kindern und Jugendlichen zu helfen, die es nicht so gut hatten. Sie habe Nachhilfe gegeben und Kinder mit Behinderung betreut und dabei die Erfahrung gemacht, nie genug tun zu können. „Mir war klar, ich muss die Strukturen ändern, damit jedes Kind die Chance auf ein gutes und sichere Leben hat“, wird sie zitiert. „Eins ist mir besonders wichtig: Ich werde nie Politik machen, die nach unten tritt, sondern an Lösungen arbeitet.“ Mit Blick auf die Staatskanzlei sagte sie demnach: „In der Staatskanzlei gibt es eine Ahnengalerie mit allen Ministerpräsidenten, und da muss ich nicht gendern. Wenn ihr mich fragt, gehört da ganz dringend eine Frau hinein.“
Britta Haßelmann, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, gratulierte laut Mitteilung der Partei: Hamburg sei „mit 100 Prozent als Spitzenkandidatin nominiert worden“. Als stellvertretende Ministerpräsidentin habe Hamburg zusammen mit der Landtagsfraktion „Gutes abgeliefert“. Für den Wahlkampf sagte Haßelmann „Rückenwind“ zu: „Wir haben nächstes Jahr hier einen Riesenlauf: Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Saarland und dann kommt Niedersachsen.“
Leitantrag zu Arbeit und Hitzeschutz
Inhaltlich stand am ersten Tag der Leitantrag „Wandel gerecht organisieren – gute Arbeit für alle!“ im Mittelpunkt, der laut Partei soziale Sicherheit und Arbeitsbedingungen betrifft. Landesvorsitzende Greta Garlichs fordert damit laut Partei mehr Schutz für Beschäftigte: „Wir wollen, dass Arbeit nicht krank macht. Wenn es draußen zu heiß zum Arbeiten ist, darf die Dachdeckerin das nicht mit ihrem Lohn bezahlen.“ Wer krank sei, solle in der Praxis anrufen und im Bett bleiben, „nicht im vollen Wartezimmer, nicht am Schreibtisch“. Der Landesvorstand hatte den Antrag nach Angaben der Antragsplattform am Mittwoch, 30. September 2026, beschlossen. Garlichs hatte vor dem Parteitag starke Betriebsräte und mehr Tarifbindung als Ziele genannt. Landesvorsitzender Maximilian Strautmann hatte erklärt, wenn Künstliche Intelligenz Arbeit abnehme, müsse das bei den Beschäftigten ankommen, „in Form von mehr Zeit, besseren Arbeitsbedingungen und weniger Druck“.
Zwei Bewerber aus Hameln-Pyrmont
Auf der Tagesordnung stehen laut Antragsplattform der Partei außerdem ein Rückblick auf die Kommunalwahl, die Wahl des Landesparteirats, der Haushalt 2027, Satzungsänderungen und die Wahl der Mitglieder für den Länderrat. Aus dem Kreisverband Hameln-Pyrmont bewerben sich Hagen Langosch für den Landesparteirat und Samuel Everding für den Länderrat. Zu den weiteren Anträgen, über die der Parteitag berät, gehören ein Antrag zur Beitragsfinanzierung des öffentlichen Nahverkehrs in Niedersachsen und ein Antrag der Landesarbeitsgemeinschaft Sport für „mehr Dialog, weniger Repression“ in Fußballstadien.
Der Parteitag wird am Sonntag, 8. November 2026, in der Rattenfängerhalle fortgesetzt; die Partei überträgt ihn im Internet unter gruene-niedersachsen.de/livestream.
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