Vier Tage lang war die Marktkirche St. Nicolai mitten in Hameln Speisesaal, Beratungsstelle und Bühne zugleich. Von Donnerstag, 15., bis Sonntag, 18. Oktober 2026, lud die Stadtkirchengemeinde zur vierten Vesperkirche ein. Jeden Tag gab es von 12 bis 14 Uhr ein kostenloses Mittagessen für alle, die kommen wollten, nachmittags Kaffee und Kuchen, abends um 18 Uhr ein kurzes Feierabendmahl mit Brot, Saft und Wein. Alle Mahlzeiten und Angebote waren kostenfrei, teilt der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hameln-Pyrmont mit.
Rund 40 Ehrenamtliche, erkennbar an weißen Schals, und etwa 30 Organisationen und Vereine haben nach Angaben des Kirchenkreises mitgemacht. Zur Eröffnung am Donnerstag sei die Kirche „prall gefüllt“ gewesen. Wie viele Menschen an den vier Tagen insgesamt kamen und wie viele Essen ausgegeben wurden, hat der Kirchenkreis bislang nicht mitgeteilt.
Eine weiße Maske auf dem Altar
Das Motto lautete „Masken runter, Gesicht zeigen“. Auf dem Altar stand eine überdimensionale weiße Maske, die Stadtkirchenpastorin Dr. Heike Köhler mit Helfern aus Kaninchendraht und Gipsbinden gebaut hatte. In einer Maskenwerkstatt konnten Besucher eigene Masken gestalten. Das Motto knüpft an einen Denkanstoß der hannoverschen Landeskirche zum Wahljahr an: „Menschenwürde, Nächstenliebe, Zusammenhalt wählen“. Bürgermeisterin Karin Echtermann sagte bei der Eröffnung: „Gesicht und Haltung zeigen – das ist wichtiger denn je.“
Haarschnitt, Beratung, Mitnahmebank
Neben dem Essen ging es um praktische Hilfe. Die Beratungsstellen der Diakonie stellten sich vor, ebenso das Hamelner Frauenhaus, die Alzheimer Gesellschaft Hameln, der Hospiz Verein und der Weiße Ring. Die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden informierte an drei Tagen über Sicherheit zu Hause, digitale Gewalt und Opferschutz. Auf einer Mitnahmebank lagen Marmeladen, Konserven, Hygieneartikel und Selbstgestricktes. Am Sonntag boten die Barber Angels für bedürftige Menschen Haar- und Bartpflege an.
Dazu kam Programm zum Zuschauen und Mitmachen: Der Deutsche Alpenverein Hameln betreute am Sonntag ein Abseilen an der Marktkirche, der Roll- und Eissport-Club Hameln zeigte Tanzszenen. Unterstützt wurde die Vesperkirche nach Angaben des Kirchenkreises von der Diakoniestiftung im Kirchenkreis, den Stadtwerken Hameln Weserbergland, der Sparkasse Hameln-Weserbergland und der Hanns-Lilje-Stiftung. Pastorin Köhler: „Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre unsere wunderbare Veranstaltung einfach nicht möglich.“ Summen nennt der Kirchenkreis nicht.
Aus der Energiekrise entstanden
Begonnen hat die Hamelner Vesperkirche als Antwort auf eine Krise. Im Herbst 2022 hatten Kirche und Diakonie die Gemeinden angesichts steigender Energiepreise gebeten, Wärmeräume und Beratung anzubieten. Ein Jahr später, vom 26. bis 29. Oktober 2023, wurde die Marktkirche erstmals zur Vesperkirche, als Teil der bundesweiten Aktion „#wärmewinter“. Finanziert wurde das damals nach Angaben der Landeskirche Hannovers unter anderem aus zusätzlichen Kirchensteuereinnahmen, die durch die Auszahlung der Energiepreispauschale entstanden waren.
Aus dem Krisenprojekt ist inzwischen ein fester Termin im Hamelner Herbst geworden, der vierte in Folge. Der Ablauf mit Mittagstisch, Kaffeetafel und Abendandacht ist seit 2023 im Kern gleich geblieben. Wer nach der Vesperkirche Hilfe sucht, findet die beteiligten Stellen weiterhin: Der Weiße Ring etwa ist für Kriminalitätsopfer bundesweit unter dem Opfer-Telefon 116 006 erreichbar. Ankündigung und Rückblick hat der Kirchenkreis auf seiner Website veröffentlicht.

